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Braucht es Beschäftigungsprogramme für Fische?
Ständig auf der Flucht, Krankheiten schutzlos ausgeliefert und stets auf der Suche nach Nahrung geht es den Fischen in freier Wildbahn nicht besser als im Aquarium. Falls dies nicht zutrifft, liegt es an der Pflege. Merke: Fische befinden sich nicht in Gefangenschaft, sondern in menschlicher Obhut.
Um der Monotonie und der Unterbeschäftigung von Zootieren entgegenzuwirken, werden für anspruchsvollere Tierarten Beschäftigungsprogramme ausgearbeitet. Diese beziehen sich auf natürliche Verhaltensweisen, die durch künstlich imitierte Gegebenheiten oder Ereignisse unterhalten werden sollen. Oft haben diese mit der Futtersuche zu tun. Solchen Beschäftigungsprogrammen ist bedeutend mehr Gewicht beizumessen – auch in der Aquaristik. Sie dürfen aber nicht dazu benutzt werden, um von geringen Aquariengrössen oder anderen Mängeln in der Fischpflege abzulenken.


Die Strukturen, sprich Einrichtung, des Lebensraumes müssen auf die Bedürfnisse der Fische zugeschnitten sein. Dies ermöglicht ein artgemässes Verhalten. Kontakt zu Artgenossen oder Artfremden Fischen ist meist sehr wichtig. Je nach Fischart geeignete Gruppengrösse wirkt belebend. Beispiel: Prachtsbarben schätzen es, wenn viele Artgenossen oder auch andere Barbenarten vorhanden sind. Fortpflanzung fordert die Fische. Revierabgrenzungen, Graben von Bruthöhlen, Balzen, Aufzucht und umsorgen des Nachwuchses gibt viel zu tun – benötig aber auch entsprechend Raum. Fehlt dieser kommt es zu Stress.

Viele Fischarten schätzen es, wenn Höhlen vorhanden sind. Beispiele: Piranhas flüchten bei Panik in Höhlen. Zitronenbuntbarsche (Einzelgänger) suchen Höhlen auf, wenn zeitweilig das Vertrauen in die Umgebung verloren geht. Unter normalen Bedingungen werden diese Höhlen jedoch so gut wie nie aufgesucht.
Es gibt sozusagen auch das Hamsterrad für Fische - dabei handelt es sich beispielsweise um sehr starke Strömungsverhältnisse für die entsprechenden Fischarten. Bei entsprechenden Fischarten ist Gründeln ein Bedürfnis – welches ein Teil der Tagesbeschäftigung beinhaltet. Geeigneter Bodengrund unterstützt die Verhaltensweise.

Aggressive Eigenbrötler kommen bei gewissen Buntbarscharten häufiger vor. Solche Fische langweilen sich. Spielzeuge, wie schwimmende Gummientchen oder sanfte Veränderungen an der Einrichtung wecken ihre Neugierde. Alle Fischarten gehen gerne auf Futtersuche. Lebendfutter ist eine sinnvolle Beschäftigung. Dabei ist eine Filteranlage von Vorteil, welche das Futter nicht gleich wieder entfernt (Mattenfilter).
Eine Möglichkeit ist die Futteraufnahme zu erschweren, indem man sehr kleines Futter anbietet, welches mühsam zusammengepickt werden muss oder aber sehr grosses Futter, dass die Fische zerkleinern müssen. Ebenso kann man frisch geschlüpfte Artemien anbieten, denn diese werden sehr gerne gefressen, müssen jedoch von den Fischen über längere Zeit "eingesammelt" werden, um ein wenig satt zu werden. Eine andere Variante ist das Aufhängen einer Crevette, die im Mittelwasser zu liegen kommt. An dieser können die Fische zupfen und mundgerechte Stücke abbeissen. Die Fische lernen recht schnell voneinander, was ihnen bei der Futtersuche und -aufnahme im Aquarium sehr zugute kommt.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Jede Fischartart hat ein spezifisches Verhaltensrepertoire. Dazu gehört beispielsweise die Fortbewegungsweise und die Bewegungsmenge, das Fressverhalten, die Fortpflanzungsart und manches mehr. Zudem sollten die Fische in ihrer natürlichen Sozialstruktur gehalten werden. Berücksichtigt man dies, sollten die Fische in der Lage sein, ihr Verhaltensrepertoire auszuleben, was insbesondere unter Tierschutzaspekten verlangt wird. Es besteht die Vermutung, dass in einem artgemäss eingerichteten sowie ausreichend grossen Lebensraum vermutlich wenig Langeweile aufkommt.
Die Fachleute meinen: Langeweile, wie sie wir interpretieren, wird es wahrscheinlich bei Fischen (sehr allgemein gefasst!) nicht geben. Anmerkung dazu: WISSEN, tun es wir Menschen aber schlussendlich nicht, es wird immer ein Spekulation bleiben.

VAZ 2006